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Interkulturelles Training – Verschiedene aktuelle Ansätze

Kulturallgemein-didaktische TrainingsDas Ziel eines interkulturellen Trainings besteht darin, die Teilnehmer entweder ganz allgemein für interkulturelle Situationen zu sensibilisieren oder diese ganz gezielt auf die gelungene Interaktion mit einer spezifischen Kultur vorzubereiten. Etwa im Falle eines konkret anstehenden Auslandseinsatzes in einem bestimmten Land oder einer Region. Welche Ansätze und Methoden aktuell Verwendung finden, um beispielsweise den bewussten und kritischen Umgang mit Stereotypen zu erlernen, das erfahren Sie in dem folgenden kurzen Überblick.

Ganz allgemein wird in der interkulturellen Trainings-Praxis zwischen didaktischen bzw. informatorischen Ansätzen (theoretische Wissensvermittlung) und erfahrungs- bzw. interaktionsorientierten Ansätzen unterschieden. Daraus ergeben sich insgesamt vier Trainingsvarianten.

1. Kulturallgemein-didaktische Trainings (bzw. Kulturunabhängig-informatorische Trainings):

Diese erfolgen in der Regel durch Seminare (zur interkulturellen Kommunikationstheorie, Kulturanthropologie oder auch kulturvergleichenden Psychologie), durch Videos, Fallstudien, Fremdsprachenunterricht oder durch so genannte “Kultur-Assimilatoren“. Dabei handelt es sich um eine in den 1960ern in den USA entwickelte Trainingsmethode, die in der Regel aus kurz geschilderten Alltagssituationen besteht, zu denen den Teilnehmern (“Assimilatoren”) verschiedene, kulturspezifische Erklärungs- bzw. Verhaltensmöglichkeiten angeboten werden. Das Ziel ist es, dass der “Assimilator” sich die jeweiligen Ereignisse am Ende auf genau die gleiche Weise erklärt, wie sie sich auch Angehörige anderer Kulturen erklären würden. Was zeigen soll, dass sich der “Assimilator” in die Sichtweise anderer Kultur “hineinversetzen” kann.

2. Kulturspezifisch-didaktische Trainings (bzw. Kulturspezifisch-informatorische Trainings):

Zu den hierbei zum Einsatz kommenden Methoden gehören ebenfalls Seminare (zum Beispiel zur Geschichte, zu Alltagsgeschichte oder zum Wertewandel eines bestimmten Landes oder Kulturraums), Videos, Fallstudien, Fremdsprachenunterricht, Kultur-Assimilatoren sowie auch bikulturelle Workshops oder auch Simulationen.

3. Kulturallgemein-erfahrungsorientierte Trainings (bzw. Kulturübergreifend-interaktionsorientierte Trainings):

Bei kulturallgemein-erfahrungsorientierten Trainings kommen Methoden wie interkulturelle Workshops, Rollenspiele, Simulationen, Selbstbeurteilung (etwa durch Fragebögen) zur Anwendung, um die Teilnehmer für den erfolgreichen, interaktiven Umgang mit anderen Kulturen zu sensibilisieren. Eine spezielle Methode hierbei ist das so genannte “Cultural-Awareness-Training“. Ziel dieser Methode ist es, sich der eigenen kulturellen Prägung bewusst zu werden und das eigene, kulturgeprägte Wahrnehmungs-, Denk- und Wertesystem so weit wie möglich zu relativieren. Dies geschieht in der Regel über Fallstudien, Simulationsübungen, Spielszenarien oder die Schilderung verschiedener interkultureller Kontaktsituationen.

4. Kulturspezifisch-erfahrungsorientierte Trainings (bzw. Kulturspezifisch-interaktionsorientierte Trainings):

Zu den verschiedenen Methoden zählen hierbei: Vorträge, Videos, Fallstudien, Fremdsprachentrainig, bikulturelle Kommunikations-Workshops, kulturspezifische Simulationen oder auch Sensibilitätstrainings. Eine gesonderte Methode für kulturspezifisch-erfahrungsorientierte Trainings ist der so genannte “Contrast-Culture-Ansatz“. Dieser geht davon aus, dass für die bewusste Wahrnehmung fremder Kulturstandards eine konkrete “Kontrastkultur” nötig ist. Ziel des Trainings ist es, für die Teilnehmer ein festes, kulturelles Orientierungssystem aufzubauen, das es ihnen möglich macht, sich situations-, funktions- und aufgabengerecht in einer anderen Kultur zurechtzufinden.

Die konkrete Ausrichtung auf Zielgruppen und Aufgaben sowie auf bestimmte Länder und Regionen soll die interkulturelle Zusammenarbeit verbessern, die Komplexität einer fremden Kultur wird auf für die konkrete Interaktion wichtige Aspekte reduziert. Die geschieht in der Regel über so genannte “Teamteachings” mit jeweils einem Lehrer aus der Heimat- und aus der Zielkultur, die mit den Teilnehmern verschiedene Fallbeispiele und Rollenspiele durchgehen. Die Ergebnisse der jeweiligen Interaktion werden anschließend analysiert, mit dem Ziel, daraus Regeln für das spätere Handeln der Teilnehmer abzuleiten. Das Contrast-Culture-Training hat sich für den konkreten, interkulturellen Arbeitseinsatz als sehr effektiv erwiesen, ist in der Umsetzung aber auch sehr aufwändig.

Wer bietet interkulturelle Trainings an?

Angeboten werden interkulturelle Trainings in Deutschland von verschiedenen Universitäten, von Außenhandels- sowie Industrie- und Handelskammern oder auch von privatenwirtschaftlichen Seminar-Anbietern wie beispielsweise dem Institut für kulturelles Management. Hinzu kommen freiberuflich tätige Trainer und Berater. Links zu einzelnen Trainingsanbietern finden Sie in unserer Tipps & Tricks Sektion.

 

 

 

 

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