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Interkulturelle Kompetenz vs. Interkulturelle Kommunikation

DefinitionDiese beiden sehr ähnlichen Begriffe werden häufig verwechselt. Es gilt hier, sie zu definieren und voneinander abzugrenzen.

    Interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz bedeutet, mit Personen, die einen anderen kulturellen Hintergrund als den eigenen haben, im alltäglichen Leben umzugehen. Anders ausgedrückt: Es handelt sich bei interkultureller Kompetenz um die Fähigkeit, mit Menschen unterschiedlicher kultureller Orientierungen angemessen zu interagieren; im Idealfall zur beiderseitigen Zufriedenheit.

Die Grundlage dieser Fähigkeit wird in der Erziehung und weiteren Entwicklung des Menschen erworben, sie ist nie abgeschlossen sondern Teil der konstanten und lebenslänglichen geistig-emotionalen Reifung des Menschen. Es gilt als wissenschaftlicher Konsens, dass eine Kombination aus emotionaler Intelligenz [LINK] und kognitiver Intelligenz die Grundlagen für interkulturelle Kompetenz sind. Man bezeichnet eine Person dann als interkulturell kompetent, wenn sie in der Lage ist, im Zuge der Interaktion mit Menschen aus ihr fremden Kulturen deren Wahrnehmungskonzepte von sich selbst und der Welt bezogen auf die

–          Emotionale Dimension (Fühlen)

–          Kognitive Dimension (Denken)

–          Handelnde Dimension (Agieren / Interagieren)

zu erfassen, zu erfühlen und zu begreifen. Es geht zunächst weniger darum, kausal zu verstehen, warum eine Person wie fühlt, denkt, oder handelt, sondern um ein zunächst vorurteilsfreies Herangehen an das Fühlen, Denken und Handeln von Personen mit fremdem kulturellem Hintergrund.

Dies erfordert die Einnahme einer Haltung der Offenheit und der Lernwilligkeit während des interkulturellen Kontakts. Im Laufe der Zeit ist es so möglich, das intellektuelle „Handwerkszeug“ auszubilden, mit dem es gelingt, auch die Geistes- und Gedankenwelt von kulturell andersartigen Personen zu erfassen und deren Konzepte nicht mehr als Fremd oder gar bedrohlich wahrzunehmen, sondern diese neutral als vorhanden zu akzeptieren.

Im wissenschaftlichen Kontext ist wichtig, dass interkulturelle Kompetenzen nicht von feststehenden Kulturen, d.h. von Fixpunkten aus angegangen werden. Interkultureller Kompetenz wird nach dem aktuellen Stand der Forschung aus relationaler Perspektive begegnet. Der Grund dafür ist, dass es nahezu unmöglich ist, eine Kultur trennscharf von einer anderen abzugrenzen und monokulturelle Biotope in der heutigen Welt so gut wie nie existieren. Interkulturelle Kompetenz bezieht sich gerade auf kulturelle Differenzen, die in unterschiedlicher Weise in jeder Gruppe von Menschen vorkommen, egal ob diese klein, groß, oder sogar global als Summe aller Menschen der Welt zu sehen ist.

Entscheidend ist die Kompetenz des Einzelnen im Umgang mit diesen Differenzen. Dies beginnt beim Umgang mit Personen unterschiedlicher sozialer, geographischer, religiöser bzw. konfessioneller Herkunft im Heimatland bzw. der Heimatregion, und endet beim Arbeiten in multinationalen und daher multikulturellen Teams im Großkonzern.

Fakt ist: Gibt es hier Probleme, Vorurteile oder Verständnisschwierigkeiten, sollte dringend nach Wegen gesucht werden, die zur Ausbildung von interkultureller Kompetenz führen, denn sie erleichtert das Zusammensein, Zusammenleben und Zusammenarbeiten in unserer immer mehr verflochtenen Welt enorm und wird in den nächsten Jahren zunehmend zur conditio sine qua non für die persönliche und berufliche Entwicklung.

    Interkulturelle Kommunikation

Interkulturelle Kommunikation bezeichnet den Mechanismus der sozialen Interaktion von Akteuren aus unterschiedlichen Kulturen über die dem Menschen zur Kommunikation zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Durch diese Interaktion entsteht Kontakt. Verläuft die interkulturelle Kommunikation konfliktfrei, so wird Verständnis für kulturelle Unterschiede gebildet und es erwächst über die Zeit kulturelle Kompetenz.

Direkte Kommunikation steht hier im Zentrum der Betrachtungen: Geht es darum, die kulturimmanenten Wahrnehmungskonzepte nach verschiedenen Dimensionen verstehen zu lernen, so führt kein Weg an direkter Kommunikation vorbei, denn kein Kontakt ist intensiver als der auf Sprache, Gestik, Mimik usw. basierende Kontakt. Bei der interkulturellen Kommunikation ist hervorzuheben, dass sie als Medium zur Ausprägung von interkultureller Kompetenz besondere Sensibilität und Offenheit im Vergleich zur Kommunikation in der eigenen Kultur verlangt.

Statt Verständnis herzustellen, ist es sehr leicht, Missverständnisse und Vorurteile zu zementieren, die sich aus gar nicht oder falsch interpretierten Ausdrucks-, Darstellungs-, und Handlungsweisen wie Lautstärke, Tonfall, Mimik, Gestik, (un-) Höflichkeit oder (un-) Freundlichkeit ergeben. Weiterhin liegt erhebliches Konfliktpotential in der Tatsache, dass erst eine gemeinsame Sprache gefunden werden muss, die alle Beteiligten mehr oder weniger gut beherrschen und sich daher auch nur mehr oder weniger gut an die impliziten Regeln dieser Sprache halten. Höflichkeitsfloskeln können z.B. gerne übersehen oder übertrieben werden, es kann eine gewisse „Unnatürlichkeit“ entstehen, die Sprache wird enkulturalisiert.

Es ist sehr wichtig, sich bei der interkulturellen Kommunikation möglichst offen zu zeigen, diese gut zu üben, und so Selbstvertrauen auch in solch ungewohnten Situationen zu gewinnen. Sich von Missverständnissen nicht beeindrucken zu lassen, oder zwangsläufig auftretende Fauxpas geschickt zu meistern, ist ein Teil der Fähigkeit zur interkulturellen Kommunikation. Klappt die interkulturelle Kommunikation, so ergibt sich durch weitere Schritte des Begreifens und des Erfühlens der Kultur des Gesprächspartners über die Zeit interkulturelle Kompetenz.

Interkulturelle Kommunikation hat durch zunehmende Globalisierung als Teil von dieser eine zunehmende Bedeutung. Außerdem kommt es durch Phänomene wie etwa der globalen Arbeitsteilung und Mobilität, zunehmender Reisefreiheit und Massentourismus sowie der Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien (E-Mail etc.) zu immer mehr Kontakten zwischen Personen unterschiedlicher Kulturen.

 

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